Wenn ich Zeit habe, schreibe ich ab und zu meine Lebenserinnerungen auf. 24 Seiten sind schon zusammengekommen. Angekommen bin ich im Jahr 2001. Aber auch Auszüge von davor waren spannend und prägend. Deshalb hier mal ein kleiner Auszug aus der Biografie:

Eines Tages kam unser Mathe- und Physiklehrer Herr Scherff auf mich zu und legte mir nahe, doch Architekt zu werden. Dazu sollte ich noch in einen Zeichenzirkel gehen, um meine künstlerischen Fähigkeiten auszubauen. Diesen Hinweis nahm ich ernst und schloß mich dem Zirkel malender Arbeiter im Büromaschinenwerk an. Das Zeichnen dort machte mir große Freude. Meist zeichneten wir Porträts nach echtem Modell, manchmal Akt, manchmal unternahmen wir gemeinsam Ausfahrten und zeichneten in der Natur. Nach dem Zeichnen im Atelier ging es meist in die Gaststätte wo wir beim Bier bis zum Gaststättenschluß diskutierten. Ich sprach dort meist wenig, aber wenn ich mal etwas sagte sorgte es oft für schallendes Gelächter.
Es war auch Herr Scherff, der spätere Direktor des Gymnasiums, der verantwortlich war, in persönlichen Gesprächen die Jungs davon zu überzeugen, doch 3 Jahre zur Armee zu gehen. Eigentlich wollte ich gar nicht zur Armee und wenn, dann höchstens 1,5 Jahre. Als wir unser Einzelgespräch hatten habe ich mich aber für 3 Jahre vermeintlich werben lassen. Als es dann aber zur Bewerbung für das Studium kam, habe ich mich so beworben, das nur ein 1,5-jähriger Wehrdienst in Frage kam. Mit dem Resultat, dass ich, obwohl ich in den entscheidenden Fächern sehr gute Noten hatte, als einziger der Klasse keinen Studienplatz erhielt. Nun stand ich völlig in der Luft. Ab der 11. Klasse habe ich jährlich im Februar Eignungsprüfungen an der Hochschule für industrielle Formgestaltung an der Burg Giebichenstein in Halle besucht. Die ging immer über 3 Tage. Nach 1,5 Tagen wurde ca. die Hälfte der Bewerber nach Hause geschickt. Ich durfte wenigstens immer 3 Tage bleiben. “Welch skandalöse Verschlimmerung sagte der Gentleman als er durchs Mikroskop sah“ war nur eine Frage, zu der wir uns über 1,5 Stunden mit Stift und Papier auslassen durften. Jedenfalls entschied ich mich mit Widerwillen dann doch für die 3 Jahre Armee, auch um Zeit zu gewinnen für den Besuch weiterer Eignungsprüfungen in Halle.

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