So allgegenwärtig wie die Religion in den islamischen Ländern ist, sie bestimmt das gesellschaftliche Leben, so fern scheint sie bei uns zu sein. Von den Geschäften, Banken oder Gaststätten wird der Ramadan eingehalten, so wie von den Bewohnern selbst. Man muss froh sein, tagsüber in einem Kiosk Tabak, Brötchen und Wasser oder auf dem Souk Datteln, Rosinen, Nüsse oder Gebäck kaufen zu können. Das Essen oder Rauchen auf der Straße ist auch bei Touristen nicht erwünscht, man erntet schon mal eine abfällige Handbewegung. Die prachtvollen Moscheen, außer die größte in Casablanca, dürfen von Nichtmuslimen nicht betreten werden. Am Samstag Abend nach Sonnenuntergang brodelt es in der Stadt. Alle strömen zum Strand und den umliegenden Parks um sich bei mitgebrachtem Essen und Trinken mit Freunden zu treffen. Auch in den Hotels, in separaten Gebetsräumen, richten die Muslime ihren Gebetsteppich gen Mekka.
Mohammed, ein Analphabet, begann 610 im Alter von 40 Jahren die ihm von einem Erzengel überbrachten Suren und Verse des Korans mündlich zu überliefern. Diese letzte Prophezeiung des Wortes Gottes (Allahs) nach dem Alten und Neuen Testament wurde bis zu seinem Tod 632 mündlich weitergegeben bevor sie später durch die Kalifen aufgeschrieben wurden. Nach dem Tod Mohammeds breitete sich der Koran in der arabischen und nordafrikanischen Welt rasant aus. Im Gegensatz zur christlichen Religion gibt es keine Kirche und somit keine hierarchischen Strukturen, jeder Muslim soll über das Studium des Koran seine eigenen Schlüsse treffen. Hier liegt wahrscheinlich auch der Grund für einen auftretenden Fundamentalismus in einigen Kreisen.

Total Page Visits: 4671 - Today Page Visits: 2